Am 27. Februar besuchte die 11. Klasse des BG im Salzlandtheater Staßfurt eine besondere Theateraufführung: Das Ensemble Persona aus München zeigte eine eindrucksvolle Inszenierung von „Moby Dick“. Schon nach den ersten Minuten war klar, dass uns kein „klassischer“ Theaterauftritt erwartete, sondern ein intensives, körperlich und musikalisch starkes Bühnenerlebnis.
Gleich zu Beginn blieb vielen der Gesang im Gedächtnis, der eine dichte Atmosphäre schuf und das Publikum unmittelbar in die Welt der Seefahrt hineinzog. Ein weiterer Schlüsselmoment war der erste Auftritt des Kapitäns: Seine Präsenz wirkte sofort bedrohlich und machte deutlich, dass diese Geschichte von innerer Unruhe, Besessenheit und Macht geprägt ist.
Besonders spannend waren die Kampfszenen mit dem Wal, die mit viel Energie und Ausdruck gespielt wurden. Ohne aufwendige Technik, dafür mit präziser Bewegung, Rhythmus und starker Körpersprache gelang es dem Ensemble, die Gefahr und Wucht der Begegnungen spürbar zu machen. Eindrucksvoll war auch die Darstellung des Fiebertraums eines Matrosen: surreal, verstörend und gleichzeitig faszinierend – ein Moment, der zeigte, wie nah Angst, Erschöpfung und Fantasie auf See beieinanderliegen können.
Das Bühnenbild war variabel und wurde von den Schauspielern immer wieder neu arrangiert, sodass es sich den jeweiligen Situationen anpasste. Dadurch entstanden schnell wechselnde Räume und Bilder – vom Schiff über das offene Meer bis hin zu inneren Zuständen der Figuren. Zusätzliche Spannung erzeugten die Trommeln, die wie ein Pulsschlag durch das Stück führten und viele Szenen intensivierten.
Auffällig war außerdem die dominierende Farbe Rot, die sich wie ein Leitmotiv durch die Inszenierung zog. Sie stand für Gefahr, Gewalt, Leidenschaft – und vor allem für die zerstörerische Kraft der Rache. Genau diese Frage beschäftigte viele Schülerinnen und Schüler nach der Aufführung: Warum kann ein Mensch so sehr von Rache getrieben sein, dass er dabei auch andere mit in den Tod reißt? Damit wirkte „Moby Dick“ überraschend aktuell: Es geht um Verantwortung, um Führung, um Gruppendynamik – und darum, wie eine Idee oder ein Ziel zur Besessenheit werden kann.
Trotz der ernsten Themen gab es auch viele humorvolle Momente, die das Stück auflockerten und zeigten, wie nah Tragik und Komik manchmal beieinanderliegen. Insgesamt war es ein Theaterbesuch, der nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken angeregt hat – und der der 11. Klasse sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.
A. Richter
